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2. Wieviel Effekte für Live-Sound?

2. Wieviel Effekte für Live-Sound?

  

  

 

 

 

 

 

                   2      Wieviel Effekte braucht man für Live-Sound?

             2.1        Begeisternder Live-Sound enthält einige Zutaten:

Wie beim Kochen oder Backen führen „Kleinigkeiten“ zum Außer-Gewöhnlichen, zum Heraus-Ragen, zum Besonderen, dem man die Liebe abspürt und, in unserem Fall, gerne zuhört. Grundsätzliche Live-Sound-Zutaten sind:

  •   Raumakustik
  •   Lautsprecheranlage
  •    Mischpult-Ausstattung
  •    Kompetenz der Sound-Leute
  •    Mikrofone und sonstiges Equipment
     

      Eine ungünstige Kombination von Raumakustik und verwendeten Lautsprechern kann das komplette „Essen“ durchaus ungenießbar machen und buchstäblich zu ‚Klangbrei‘ führen, den der Mann am Mischpult schließlich nur noch versucht, möglichst erträglich zu halten.

Wenn aber die Grundzutaten „ordentlich“ sind und man Feintuning am Mix auch hört, dann beginnt die eigentliche Begeisterung des Mannes (und zunehmend auch der Frau) an den Knöpfen.


2.1.1      Effekt-Grundausstattung:
 

Waren nicht in analogen Zeiten 2 Effektwege (Aux Send 1 + 2 ;))  für Hall und Delay am Live-Mischpult schon ‚gehobene‘ Klasse? Diese Effekt-Geräte wurden in 19“-Gehäusen mit verschiedenen Höheneinheiten in einem Siderack untergebracht.
Wer mehr wollte erweiterte das Siderack mit Kompressoren und Gates zum Einschleifen in die analoge Konsole.

Mit der Einführung der digitalen Mischpulte wanderten Gates und Kompressoren (serielle Effekte) in die Eingangskanäle und parallele Effekte wie Hall, Ambience, Chorus und Delay in z.B. 4 globale Effekt-Einheiten im gleichen Gehäuse.
31-Band-Terz-Equalizer pro Ausspielweg, zur Anpassung der FOH- und Monitor-Lautsprecher an die Raumakustik, gehörten dann schon zu einem gewissen Luxus.

Zusammen mit der Programmierbarkeit war das bereits ein Riesenschritt nach vorne:
Alle aus der analogen Zeit bekannten Komponenten in ein Gehäuse gepackt!

Ein Beispiel-Mischpult, das genau das tat, ist/war das Soundcraft Si compact 24. Damit ließ sich sehr gut „Sound machen“.
Alle hätten zufrieden sein können...

Ja, aber...

Hat man sich in Live-Sound eingearbeitet und an einen gewissen Qualitäts-Standard gewöhnt, fällt bald auf, dass selbst die besten Sänger zwischen leisen und lauten Passagen ihre Klangfarbe so verändern, dass man ständig am EQ um Ausgleich bemüht ist.

Und viele unserer so geliebten wie weit verbreiteten 12/2 oder 10/2 Lautsprecher-Topteile mit ihren Tiefton-, Hochton-Übergangsfrequenzen zwischen 1kHz und 2kHz liefern ebenfalls ihren Beitrag dazu, dass es gerade in diesem kritischen Frequenzbereich, in dem zudem noch unser Gehör am empfindlichsten ist, sehr schnell „schrill“ wird.

Wie wäre es, wenn bestimmte, unangenehm klingende Frequenzbereiche einer Stimme, eines Instrumentes nur ab einem gewissen Pegel automatisch zurückgefahren werden?

Korrektur-Versuche mit einem statischen EQ führen, je nach Song und Pegel, zu ständigem ‚Hin- und Her-Kurbeln’, denn die störenden Mittenfrequenzen irgendwo zw. 1kHz und 3kHz, die man dem Gesang bei lauten Passagen herausdreht, fehlen der Stimme bei leisen, eben weil sie statisch, d.h., dauerhaft reduziert wurden.

Abhilfe dafür schaffen dynamische Equalizer.

In der Mixer-Preisklasse bis 5k€ sind dynamische EQs (pegelabhängige Absenkungen oder Anhebungen bei bestimmten Frequenzen), leider so gut wie nicht zu finden. Wieso eigentlich? In jeden Kanal gehören mind. 2-3 dynamische EQ-Bänder (Meinung des Verfassers).

Multi-Band-Kompressoren (2-5 Frequenzbänder mit pegelabhängiger Absenkung oder Anhebung) finden sich schon eher, z.B. in den BEHRINGER- oder MIDAS-X32-/M32-Mischern, allerdings in begrenzter Anzahl. Der oben genannte Digitalmixer Soundcraft Si compact 24 verfügt nicht über eine solche Möglichkeit. Er kam etwas früher auf den Markt und zeugt von der Philosophie, lediglich alles bisher im analogen Live-Bereich Bekannte in ein Gehäuse zu packen.

 

2.1.2      Effekte für Fortgeschrittene:

 

  •          Dynamische EQs
  •          Multi-Band-Kompressoren
  •          Enhancer
  •         Exciter
  •          Einsatz von emulierten „Studio-Legenden“

 

Ungewöhnlich bei Erscheinen der X32-/M32-Digitalmixer-Generation waren die 8 außerhalb der Eingangskanäle zusätzlich zur Verfügung stehenden Effekt-Slots (anstelle von üblicherweise 4), 4 für parallele (z.B. Hall, Delay, Chorus, Pitch-Shifter,…) oder serielle und 4 für serielle Effekte (Kompressor-Nachbildungen legendärer Studio-Hardware, Exciter, De-Esser, Enhancer, …), die nach Bedarf in Einzelkanäle, Busse oder Matrix-Wege ‚eingeschleift’ werden können; die seriellen Effekte zusätzlich zu den dort sowieso vorhandenen wie Gate, Kompressor, EQ.

Bei den als internen Insert-Effekten verwendbaren Plugins sind ein Multiband-Kompressor („Combinator“), ein Psychoakustik-Prozessor („Enhancer“), ein Exciter (Akustische Gitarren mit „Silberglanz“ versehen) und einige mehr.

Des Weiteren finden wir alte Bekannte aus der Studiotechnik, wie eine Simulation des Teletonix LA-2A Kompressors (hier „Leisure Compressor“), des Fairchild 670 Tube Compressor  („Fair Compressor“), des Urei 1176LN (hier „Ultimo Compressor), des Pultec MEQ-5 (hier „Xtec EQ5“) u.a., die Studio-Geschichte geschrieben haben.

Wer einmal auf den Geschmack der Nutzung solcher alter „Schätzchen“ gekommen ist, weiß sie auch „live“ zu schätzen.

Die Dichte, Klarheit und Präsenz einer Stimme, die beispielsweise durch den optischen Kompressor LA-2A bearbeitet wurde, ist eben nicht mit Standard-Kompressoren und EQs hinzubekommen.

Ein kurzer Blick über den Tellerrand, zu den Studio-Kollegen, zeigt, dass diese reichlich von sogenanntem „Outboard-Gear“ in Form von externer Hardware oder internen ‚Plugins‘ Gebrauch machen. Die dosierte Anwendung von einem ganzen Arsenal an „Zutaten“ führt zu dem Studiosound von Welthits, an den sich unsere Ohren gewöhnt haben.
Da ist es bei den aktuellen Möglichkeiten der Digitaltechnik einen Gedanken wert, auch die ‚Live‘-Soundqualität in ähnlicher Richtung zu verfeinern.

 

2.2       Praktisch Anwendung verfeinerter Effekt-Würze:
 

Möchte man bei einem Live-Konzert 4 Vocal-Kanälen je einen
Leisure-Compressor spendieren, sind damit im X32/M32  2 der 8 Effekt-Slots belegt,   -->
2 Slots
ein Raum-schaffender Stereo-Chorus für ak. Gitarren und Rhodes                                 -->
1 Slot,
ein Exciter für die silbrigen Höhen der Akustische Gitarren                                             
--> 1 Slot,
ein Stereo-Delay für temporäre „Einwürfe“ oder Slaps                                                    
--> 1 Slot,
ein Stereo-Pitch-Shifter (+/-5-6 Cents, mit 100% L-R-Panning) für Vocals, E-Git            -->
1 Slot,
ein Mid-/Side-Kompressor für den Backing Vocals Stereo-Bus                                       
--> 1 Slot,
ein Limiter / Multiband-Kompressor für den Drums-Stereo-Bus                                       -->
1 Slot,

und schon sind 8 Effekt-Slots in Verwendung, ohne dass auch nur ein Hall/Reverb dabei wäre!

Langsam wird klar, dass mehr Effekt-Möglichkeiten durchaus Sinn machen, und auch für ein Live-Pult die auf den ersten Blick stolze Anzahl von 8 Effekten für anspruchsvolle Sound-Kreationen nicht das Ende der Fahnenstange darstellt.

 

2.3       Erweitern der 8 Effekt-Slot-Begrenzung des X32/M32
2.3.1        Erweiterung über AES50-Bus
 

Befindet man sich in der glücklichen Lage, zusätzlich einen X32 Rack sein Eigen zu nennen, der z.B. als Stagebox zum Einsatz kommt, lässt sich mit etwas Routing-Geschick dessen DSP-Effekt-Power über den digitalen AES50-Bus in den FOH-X32/M32 einbinden, in Form von zusätzlichen parallelen und seriellen Effekten (Das geht übrigens auch mit dem X32 Core / Midas M32 C).
-->  SCENES   08foh+08rack,   08b_foh+08b_rack,   09b,   09c

 

Wenn diese Möglichkeit nicht zur Verfügung steht, eröffnet das 32 In / 32 Out – USB-Interface des X32/M32 weitere Möglichkeiten:

 

2.3.2      Effekt-Erweiterung über externe Plugins via USB
 
 

Möchte man die in Kapitel 2.2 beispielhaft genannte Effekt-Belegung der Slots so verwenden und hat keinen weiteren X32 Rack oder X32 Core zur Verfügung, bietet es sich an, über das USB-Interface auf einem PC oder MAC laufende externe Hall- und Delay-Plugins einzubinden.
Aufgrund der zusätzlichen Verzögerung (Latenz) dieses Signalweges im nativen Modus (Plugins werden direkt vom PC-/MAC-Prozessor gerechnet) von typisch 10-12ms eignet er sich weniger für serielle Effekte, die in einen Mischpultkanal oder -Bus eingeschleift werden, da die Verzögerung in dieser Größenordnung bereits hörbar wird. Für Hall- und Reverb-Plugins (live sinnvollerweise mit Pre-Delays von 20-80ms gefahren) sowie längere Delays (Achtel, Viertel, Halbe) spielt dies so gut wie keine Rolle.

Mehr zu Latenzzeiten und welche Möglichkeiten es gibt, sie zu reduzieren, in Blog Kapitel 3.

Empfohlene HOST-Software hierzu:
LiveProfessor (70€) oder WAVES Multirack (250-440€).

Man benötigt zusätzlich noch die eigentlichen VST-/AU-Plugins, dann kann es losgehen.
Empfohlene Beispiel-Plugins: WAVES TrueVerb (45-90€), WAVES H-Delay (29-179€) oder HOFA Algoverb (50€).
(Die großen Preis-Variatonen rühren von WAVES Sonderaktionen. Immer wieder, besonders vor „Black Friday“ und „Christmas“, aber auch zwischendurch, werden die „großen“ Plugins für kleines Geld käuflich gemacht. Es empfiehlt sich, die Webseite WAVES.com dafür längere Zeit zu verfolgen oder den Newsletter zu abonnieren).

Bedenkt man, dass Mitte der 90er Jahre ein LEXICON PCM-80-Hallgerät alleine über 2000€ kostete (2500 $), relativieren sich die Kosten. D.h., in Relation dazu sind heute auf dem Wege externer Plugins äußerst kostengünstig hochqualitative Raum-Simulationen erhältlich, deren Sound auf absoluten Welthit-Scheiben wiederzufinden ist.

Mit 2 zusätzlich benötigten Bussen und 2 oder 4 Return-Kanälen auf dem X32/M32 lassen sich z.B. mit LiveProfessor und Algoverb für 70€+50€  2 sehr hochwertige Reverb-Plugins über die USB-Schnittstelle einbinden!

geeignete SCENES -->   06a,   07afoh+07arack,   08foh+08rack,   08b_foh+08b_rack

 

 

Wenn externe Plugins so einfach eingebunden werden können, dann müsste hier doch noch mehr gehen!

Welche Latenzzeiten werden für das Einschleifen serieller Effekte benötigt, ohne sie störend wahrzunehmen?

Wieviel Effekte sind denn mit welchen Latenzzeiten und welcher Hardware erreichbar?

Ausführliche Erfahrungswerte hierzu in Kapitel 3.